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Quelle: bromanus

Interkulturelles Kirchenzentrum (ICCC)


 

DREI GEMEINDEN, EINE GEMEINSCHAFT

 

It’s a long, long way. Dieser lange Weg soll in Freiburg zu einem „Interkulturellen Kirchenzentrum“ führen. Was steckt dahinter?

Als die Pfarrgemeinden in Freiburg neugeordnet wurden, entschied die Petrus-und-Paulus-Gemeinde im zentrumsnahen Viertel Unterwiehre, in ihrem Gemeindezentrum ein interkonfessionelles Profil zu entwickeln. Die Kooperation mit der anglikanischen Gemeinde, die schon in der Petruskirche zu Gast war, wurde gestärkt. Seit 2016 nutzt auch eine afrikanische baptistische Gemeinde die Petruskirche. So entstand nicht nur ein Haus für drei Gemeinden verschiedener Konfession, sondern vor allem auch ein internationales Haus.

Der Prozess, der zu einer „Gemeinschaft von Gemeinden“ führen soll, ist nicht immer einfach: Die (kirchlichen) Kulturen sind sehr unterschiedlich. Migrationsgemeinden sind strukturell gesehen Freikirchen. Ihre Mitglieder kommen aus einem großen Einzugsgebiet und beteiligen sich intensiv. Sie sind Kirchen für Familien und fühlen sich als eine große Ersatzfamilie in der Fremde. Es geht im Projekt deshalb bewusst nicht um einen Prozess in der Richtung einer Gemeinde, sondern um die gegenseitige Öffnung von bestehenden Angeboten. Darüber hinaus wird eine beschränkte Zahl von neuen gemeinsamen Angeboten entwickelt: Theologische Kurse, gemeinsame Ausflüge und koordinierte Jugendarbeit. Pfarrer und Chöre wirken in den Gottesdiensten der jeweils anderen mit. Gut funktioniert bereits der gemeinsame jährliche Gottesdienst, die zweisprachige „conversation group“ und das regelmäßige gemeinsame Frühstück.

Eine Koordinierungsgruppe begleitet die Arbeit. In dieser Gruppe sind die Pfarrer und Ältesten aus den drei Gemeinden vertreten.

It’s a long, long way, aber auch ein hoffnungsvoller Weg. Es wächst Vertrauen und entsteht Neues. Unvertrautes wird bekannt. Aber es bleibt auch ein Wagnis: Kann man die eigene Gemeindearbeit stärken, indem man die Kooperation stärkt? In der Theorie der interkulturellen Gemeindearbeit gibt es drei Modelle: Das Modell der Parallelwelten (unter einem Dach und doch keine Berührung), der Schwesterkirchen (unter einem Dach und ab und zu Berührung) und der Integration (aus zwei Gemeinden wird eine Gemeinde). In Freiburg wird, etwas Viertes erprobt: das Modell der hybriden Gemeinde: Eine Gemeinschaft aus Gemeinden soll wachsen.                  Pfr. Tim van de Griend

Aus: BADISCHE ÖKUMENE-NACHRICHTEN Winter 2017/18

 

 


 

Interview mit Christopher Parsons

 

Christopher Parsons ist seit 2016 Pfarrer der Anglikanischen Gemeinde in Freiburg, die beheimatet ist in im Interkulturellen Kirchenzentrum in der Petruskirche. Markus Franke, Pfarrer der Petrus-Paulus-Gemeinde, stellte ihm ein paar Fragen.

 

1. Seit 2016 sind sie Pfarrer der Anglikanischen Gemeinde in Freiburg. Was bewegt sie seitdem besonders?

 

In meiner ersten Zeit als Pfarrer der Anglikanischen Kirche in Freiburg, habe ich viele ökumenische Aktivitäten und Unterstützung erlebt. Nicht nur in der PP Kirche, sondern auch andere Begebenheiten. Menschen, die zusammen kommen, um gemeinsam zu beten und zusammenarbeiten, um die Präsenz der Christen in der Stadt Freiburg zu zeigen.

Es gibt da noch viel mehr zu tun, aber es ist ein guter Anfang und muss weitergeführt werden.

 

2. Die Anglikansiche Gemeinde teilt sich die Kirche und die Gemeinderäume mit der evangelischen Ortsgemeinde. Welche Chancen sehen sie darin?

 

Es gibt einige Möglichkeiten für gemeinsame Unternehmungen. Anstatt verschiedene Dinge doppelt anzubieten, kann man auch zusammenarbeiten. Ein kleines Hindernis könnte die Sprache sein. Das könnte aber leicht überwunden werden, da viele Menschen in beiden Gemeinden Englisch und Deutsch können – neben vielen anderen Sprachen. Es wäre schön gemeinsame kurze Gespräche über bestimmte Themen zu veranstalten und gemeinsam  über die Kirche hinaus in die örtliche Gemeinde zu wirken. In gewisser Weise sind wir wie Tanzpartner, die gemeinsam tanzen lernen. Es wird Zeiten geben, wenn wir etwas ausprobieren, das sich anfühlt, wie auf die Füße treten. Aber, wenn wir weiter üben, wird es mühelos und reibungslos aussehen.

 

3. Die anglikanische Gemeinde ist eher eine Personalgemeinde, die evangelische eine Ortsgemeinde. Wo liegen, ihrer Meinung nach, Chancen und Risiken dieser unterschiedlichen Verfasstheit?

 

Wenn man eine Gemeinde ist, die sich fast nur über die Sprache identifiziert, dann besteht die Gefahr, dass es ein kleiner “Club“ ist, in dem diejenigen, die kommen, Englisch sprechen und im täglichen kirchlichen Leben auch nur Englisch sprechen wollen. Glücklicherweise habe ich nichts der artiges beobachtet. Für die deutsche Gemeinde könnte die Gefahr bestehen, dass sie sich als kulturelle Einheit mit ihren eigenen Bedürfnissen sehen, während die Umgebung sich in relativ kurzer Zeit signifikant verändert hat. Wir sind mobiler, die Menschen haben mehr Möglichkeiten unter der Woche und der Glaube wird mehr an den Rand gedrängt und von den Menschen nicht mehr wahrgenommen, für die er eigentlich da ist. Als Deutch-bzw. Englisch Sprechende teilen wir das Risiko zu sehr nach Innen gewandt zu sein, anstatt zu versuchen über die „Gute Nachricht“, die wir in Christus erfahren haben, mit Außen Stehenden zu sprechen.

 

4. Die evangelische Kirche in Deutschland feierte 2017 das Reformationsjubiläum. Was wünschen, bzw. empfehlen sie der evangelischen Kirche in Deutschland, vielleicht aber auch der Gemeinde vor Ort, auf diesem Hintergrund, für ihre Zukunft?

 

Die Reformation war ein historisches Ereignis, das viel zum Glaubensleben in der Welt beigetragen hat. Da dieses Jubiläum weltweit gefeiert wird, war es mein Wunsch, dass die Kirche sich dieser Wurzeln erinnert, nicht als spaltendes Ereignis, sondern als den Versuch sich zu verändern. Eines der größten Geschenke für die nächsten 500 Jahre wird es sein, wenn die reformierte Tradition sich weiterhin verändern wird.

Wenn Glaubenslehre und Kultur im Gespräch bleiben, kann die reformierte Tradition viele Erkenntnisse anbieten und sollte mutig genug sein den Mächtigen die Wahrheit zu sagen und Liebe statt Hass anzubieten. Auch in der Anglikanischen Kirche gibt es eine Geschichte der Reformation, die uns vor allem herausfordert von „Gnade erfüllte“ Menschen zu sein.

 

5. Die verschiedenen Kirchen und Religionsgemeinschaften, die in Deutschland ihre Heimat haben, beschäftigen sich z.Zt. intensiv mit Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, auf der Flucht sind. Welche Möglichkeiten ergeben sich dadurch für die christlichen Gemeinden?

 

Die Kirche hat während ihrer Geschichte oft auf der Seite der Verwundbaren gestanden und hat mit den politisch Mächtigen gesprochen, wenn die Regierenden nicht eine fürsorgliche und gewissenhafte Lösung für Menschen in Not und Krisen gesucht haben. Glaubensgemeinschaften, die oft durch konfessionelle Unterschiede getrennt sind, haben eine Chance zur Einheit zu finden, indem sie gemeinsam den am Rande stehenden und Schutzlosen helfen.

 

 
CONVERSATION GROUP

 

In Kooperation mit der Anglikanischen Gemeinde laden wir herzlich ein zur englisch-deutschen Conversation Group.

An den Nachmittagen werden verschiedene Themen diskutiert. Im Mittelpunkt stehen dabei die Freude am Sprechen in einer oder beiden Sprachen, sprachliche Perfektion ist nicht erforderlich.

Wir treffen uns im Konfirmandenraum

donnerstags 17:30-19:00 Uhr

 

Margaret Bredow

Tel 13 73 10 75

Rafaela Furtado

rfurtado_01[at]yahoo[dot]com

 

Newsletter der Anglikanischen Gemeinde (Februar)

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